Bildungsangebot

Dissoziative Störungen (Modul 3): Enaktive Traumatherapie

In “Dissoziative Störungen (Modul 3)” stellen wir Ihnen die Theorie der enaktiven Traumatherapie vor. Dabei tangieren wir philosophische, neurobiologische, psychodynamische und traumatherapeutische Standpunkte. Ganz grundsätzlich geht Enaktivismus davon aus, dass Organismen körperlich, seelisch und geistig strukturiert in ihrer Umwelt eingebettet sind. Gehirn, Geist, SeeleKörper und Umwelt konstituieren und beziehen sich aufeinander. Sie sind voneinander abhängig und treten immer zusammen auf. In ständiger Wechselwirkung entstehen im Bewusstsein des Menschen ein phänomenales Selbst, eine phänomenale Welt und ein phänomenales Selbst als Teil dieser Welt. Traumatisierte Individuen werden ebenfalls als Organismus-Umwelt-System gesehen. Betroffene bemühen sich um ihr Überleben in einer schädlichen, Gewalt ausübenden und überwältigenden Umwelt. Unfähig, die traumatisierenden Ereignisse zu integrieren, entsteht eine intrapsychische Spaltung der vorher integren Persönlichkeit. Es entwickeln sich intrapsychische Persönlichkeitsanteile, die teilweise oder vollständig voneinander abgespalten bzw. dissoziiert sind. Das Konzept der Strukturellen Dissoziation der Persönlichkeit nach Ellert Nijenhuis, Onno van der Hart und Kathy Steele ermöglicht es nun, die neurophysiologischen Vorgänge bei schwerwiegenden traumabedingten Störungen zu erklären. Wir werden damit der Vielschichtigkeit von traumabedingter Dissoziation (Abspaltung von Empfindungen, Erinnerungen, Kognitionen, Handlungen, Verhaltensweisen oder auch Persönlichkeitsanteilen) besser gerecht und können in diesem Zusammenhang eine höhere Praxiskompetenz erwerben. Traumatherapie unter Gesichtspunkten der Strukturellen Dissoziation orientiert sich sodann stark an der subjektiven Wahrnehmung von Betroffenen. Persönlichkeitsspaltung zu bewältigen, verlangt folglich intensive Kommunikation, Koordination und Kooperation der verschiedenen Persönlichkeitsanteile des Betroffenen untereinander sowie im Austausch mit dem Therapeuten.

Geplant ist folgende Agenda für unser Seminar:

  • Modell der Strukturellen Dissoziation (Spaltung)
  • Was ist «Enaktive Traumatherapie»?
  • Abriss der Neurobiologie der komplexen Traumafolgestörungen
  • Persönlichkeitsanteile (PA) als autonome Zentren der Aktion und Passion
  • Beziehungsgestaltung mit komplex dissoziativen Patienten
  • Übertragungs- und Gegenübertragungsreaktionen
  • Milieutherapeutische Spezifika bei komplex dissoziativen Patienten
  • Ihre Fragen im Anschluss an eine Diskussionsrunde

Nächste Veranstaltung

Datum: 14.07.2023/15.07.2023
Zeiten: 18.00–21.15/09.00–16.30 Uhr
Ort: SIPT, Winterthur
DozentInnen: Bernd Frank
Kosten: CHF 450

«Die Weiterbildung zur Fachberaterin und Fachpädagogin Psychotraumatologie am SIPT war für mich zentral. Die Theorien der Übertragungsphänomene, das Wissen um die Bedeutung der frühkindlichen Bindung, das Verstehen von hirnorganischer Abläufe gerade auch unter Stress sind wichtige Inhalte in meinen Weiterbildungen.»

Marianne Herzog, Fachberaterin / Fachpädagogin Psychotraumatologie